Richtig anweiden - was muss ich beachten?

Kaum werden die Tage länger, die Temperaturen steigen und auf den Wiesen und Feldern sprießen die ersten grünen Halme, ist für viele Stall- und Pferdebesitzer der perfekte Zeitpunkt gekommen, die Pferde “ins Grüne” zu schicken. Aber, gerade jetzt ist Vorsicht geboten, wenn nicht Durchfall, Koliken oder gar Hufrehe die Folge sein sollen.


Als eine Faustzahl für den richtigen Anweide-Zeitpunkt bei Pferden gilt: „Bierflaschenhöhe“. Das heißt, wenn das Gras mindestens 20 cm hoch gewachsen ist, kann man die Pferde anweiden. Das ist meist zwischen Mitte April und Mitte Mai erreicht. Dieser Zeitpunkt kann sich – je nach Standort und Wetterlage – um einige Tage bis Wochen vor- oder zurückschieben.


Der Übergang von der reinen Heufütterung zur Fütterung mit saftigem Gras ist ernährungstechnisch eine kritische Zeit. Sie stellt eine Umstellung für den gesamten Organismus dar. Mit dem richtigen Anweide-Management gewöhnt sich der Körper des Pferdes langsam an das neue Futter. Durchfall und andere negative Begleiterscheinungen können hierdurch vermieden werden.


So kann ein sinnvoller Zeitplan aussehen!

Damit die Darmflora genügend Zeit hat sich an das neue Futterangebot anzupassen, muss die Umstellung langsam erfolgen. Häufig wird gefragt, wie lange man ein Pferd im Frühjahr anweiden muss. Nachfolgend eine Tabelle, die sich als gut bewährt hat:




Warum am Nachmittag beginnen?

Zu diesem Zeitpunkt ist der Fruktangehalt in den Gräsern geringer als in den Morgenstunden. Nach den ersten 14 Tagen wird hier der Vormittag als Weidezeit dazugenommen.


Der Organismus braucht etwa vier Wochen für die Umstellung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Pferde doch etwas länger benötigen und habe daher diesen etwas konservativen Plan im Gebrauch.


Was muss ich noch beachten?

Um Darmprobleme wie Durchfall oder Koliken während des Anweidens zu vermeiden, ist es empfehlenswert, die Pferde vor der Weidezeit ausreichend Heu fressen zu lassen. Das stillt den ersten Hunger und vermeidet, dass die Tiere zu gierig fressen.


Des Weiteren ist bei der Fütterung während des Anweidens unbedingt darauf zu achten, dass das Kraftfutter nicht unmittelbar vor dem Gras gefüttert wird. Auch nach dem Weidegang sollte erst Heu und anschließend Kraftfutter angeboten werden.


Nicht zu vergessen ist Wasser auf der Koppel. Gerade bei sehr warmen Temperaturen im Frühjahr, wenn die Tiere über mehrere Stunden auf der Weide sind, muss man auf eine ausreichende Wasserversorgung achten.


Anweiden von übergewichtigen und stoffwechselkranken Pferden

Vorsicht ist bei Pferden mit Stoffwechselstörungen und bei übergewichtigen Tieren geboten. Auch bei hufrehegefährdeten Pferden ist es sehr wichtig, dass nicht vormittags angeweidet wird. Gegebenenfalls sollte bei diesen Pferden ganz auf die Vormittagsweide verzichtet werden. Auch sollten die täglichen Intervalle evtl. langsamer gesteigert werden. Der Zuckergehalt im Gras kann in Extremfällen bis zu 40 % der Trockenmasse betragen. Die Aufnahme solcher Zuckermengen kann zu einer Erhöhung der Insulinaktivität im Blut führen, was bei hufrehegefährdeten Pferden fatale Folgen haben kann. Je nach Ausprägung der Stoffwechselstörung des Pferdes oder der Anfälligkeit für eine Hufrehe ist es sinnvoller den Weidegang deutlich zu reduzieren oder gar komplett darauf zu verzichten. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Tierarzt.


Viele Ponys, aber auch viele Robustpferde, neigen dazu ohne Pause zu fressen. Auch hier kann es nötig sein, die täglichen Intervalle langsamer zu steigern.


Fütterung beim Anweiden

Die wenigsten Pferde decken ihren kompletten Energie- und Eiweißbedarf über das Weidegras. In der Regel wird Heu, Futterstroh oder auch Kraftfutter zugefüttert. Wieviel Gras ein Pferd pro Tag frisst kann man nur schwer abschätzen; die aufgenommene Menge ist von verschiedenen Faktoren abhängig und variiert sehr stark. Deswegen sollte man sein Pferd während der Weidesaison gut im Auge behalten, um unkontrollierte Gewichtszunahmen zu verhindern. Das energie- und eiweißreiche Gras muss auf jeden Fall in der Rationsberechnung und im Bewegungsprogramm berücksichtigt werden.


Es kann sinnvoll sein, die Kraftfutter- und auch die Heuration zu kürzen. Wobei ich dazu raten würde, erst das Kraftfutter zu reduzieren oder evtl. ganz vom Futterplan zu streichen.


Sollte es während des Anweidens z.B. zu Durchfall kommen, ist der Zeitintervall erst einmal wieder zu verkürzen und nach Normalisierung der Verdauung wieder langsam zu steigern.


Auch während der Weidesaison braucht das Pferd ausreichend Vitamine und Mineralstoffe. Ein gutes Mineralfutter sollte auf jeden Fall zur Verfügung stehen.


Wir wünschen Ihnen und Ihren Pferden eine glückliche Weidezeit. Bei Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung!


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